Pressemitteilung vom 30. Juni 2021

Aktueller als gedacht. Die Friedensarbeit des DDR-Kirchenbundes als Zukunftsressource

Der Beauftragte des Rates der EKD für Friedensarbeit, Renke Brahms, hat am 25. Juni eine Pressemitteilung „Friedensarbeit im DDR-Kirchenbund darf nicht vergessen werden“ veröffentlicht. Diese PM überrascht, weil der von Brahms gewählte Anlass, der 30. Jahrestag der Konstituierung der wieder-vereinigten Synode der EKD am 27. Juni 1991 in Coburg, gar keinen unmittelbaren inhaltlichen Bezug zur Friedensarbeit des DDR-Kirchenbundes enthält - es sei denn, die Frage der evangelischen Militärseelsorge würde nachträglich als „Friedens-Thema“ des DDR-Kirchenbundes ausgewiesen.

Aber die Pressemeldung enttäuscht, weil Brahms es versäumt, auf die konkrete friedensethische und -politische Aktualität der von ihm genannten Beispiele aus der Arbeit des DDR-Kirchenbundes - die „Handreichung Zum Friedensdienst der Kirche“ von 1965 und die Beschlüsse der Bundessynode zwischen 1982 und 1987 zur „Absage an Geist und Logik der Abschreckung“ - einzugehen. Brahms erinnert zwar an diese Vorgänge, vermeidet aber jede Verbindung zwischen dem Erinnerten und der friedensethischen Diskussion in der EKD von heute. Er bescheinigt der Friedensarbeit des DDR-Kirchenbundes, „theologische Schätze“ hervorgebracht zu haben, „die wiederentdeckt werden sollten“, versäumt es aber zu erwähnen, dass die Erklärung „Ein Nein ohne jedes Ja zu Geist, Logik und Praxis der atomaren Abschreckung“ vom 1. Februar 2021, die von 800 Christinnen und Christen aus Ost und West nach dem Inkrafttreten des UN-Atomwaffenverbotsvertrages vom 22. Januar 2021 unterschrieben wurde, eben genau diese Schätze heben will (https://nein-zur-atomaren-abschreckung.de). Die Verfasser dieser Erklärung kommen aus den Kirchen der DDR, ihre breite Zustimmung verdankt sie der begründeten friedensethischen Überzeugung, dass „die Drohung mit Nuklearwaffenwaffen heute nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung betrachtet werden [kann]“. So die EKD-Denkschrift 2007 „Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen“ Nr.162. Inzwischen wird dieser wichtige Satz EKD-offiziell nicht mehr zitiert.

Renke Brahms hat als Friedensbeauftragter der EKD Worte der Wertschätzung für die Friedensarbeit des DDR-Kirchenbundes gefunden, die überfällig waren und dankbar gehört werden. Was ihnen fehlt, ist die Öffnung der Perspektive um die Einsicht, dass Positionen des DDR-Kirchenbundes zum Thema atomare Abschreckung heute überraschend aktuell und politisch anschlussfähig geworden sind.

Berlin 30. Juni 2021

Initiativkreis Friedensarbeit im DDR-Kirchenbund
Joachim Garstecki, Magdeburg
Dr. Hans Misselwitz, Berlin
Dr. Marie-Anne Subklew-Jeutner, Berlin